André Csillaghy

Für eine gerechte, erschwingliche und lebendige Stadt

 

Dübendorf wurde kürzlich als die „spannendste Stadt der Schweiz“ gepriesen. Ich teile diese Sicht. Das Potential bleibt nach meiner Auffassung jedoch bei weitem ungenutzt. Zu oft geht es um die Interessen von einzelnen, die den Interessen einer Mehrheit der Einwohnenden entgegenstehen. Das hat viel mit Geld zu tun, mit Renditen. Ich möchte mich für andere Aspekte einsetzen, die eine spannende Stadt ausmachen. Ich möchte eine Stadt aufbauen, die allen mehr Chancen zum Erfolg eröffnet, wo ich diverse Leute treffen kann, und wo man vor Ort nicht nur wohnen, sondern auch einkaufen, sich erholen und sich unterhalten kann.

 

Der Bereich Soziales liegt mir besonders am Herzen. Nur mit einer guten sozialen Durchmischung können wir auf die Dauer Wohlstand, Stabilität und Glück garantieren. Nicht alle haben die gleichen Chancen im Leben. Werden einige zurück gelassen, ist das die offene Tür für Konflikte. Chancengleichheit muss deshalb aktiv gefördert werden. Es geht aber noch um mehr. Wir alle haben Hochs und Tiefs, und niemand ist vor einer Krise geschützt.  Dübendorf sollte ihren Einwohnerinnen und Einwohnern helfen, aus schwierigen Situationen heraus zu kommen. Somit sehe ich den Bereich Soziales als ein Rückgrat unseres Systems. Das Debakel der letzten Legislatur in diesem Bereich hinterlässt einen Scherbenhaufen. Ich möchte mich dafür einsetzen, dass wir dieses zerschlagene Geschirr in Stand stellen, sodass dieser Bereich wieder funktionstüchtig und einer Stadtverwaltung würdig ist.

 

Als ich in Kalifornien wohnte, habe ich erlebt, dass es sich Lehrerinnen und Lehrer nicht leisten konnten, dort zu wohnen, wo sie arbeiteten. Das darf niemals bei uns passieren! Ich kann mir nicht vorstellen, dass in einer Stadt nur eine auserwählte Schicht von (wohlhabenden) Personen wohnen: ein Ghetto von Leuten, die sich quasi autark selbst versorgen, ist für mich ein no-go. Die Nähe zu einem neuralgischen Zentrum wie Zürich macht es schwierig, die Wohnungspreise im Griff zu behalten. Ich möchte aber, dass alle sich Dübendorf leisten können. Es sollte möglich sein, auch mit einer Familie oder mit einem bescheidenen Lohn, oder mit beidem, hier zu wohnen.

 

Wenn ich an Kultur denke, verstehe ich damit nicht nur Musik, Ausstellungen, Unterhaltung. Sondern vielmehr Stadtkultur: eine gesamtheitliche Gestaltung des Lebensraums, schöne Plätze um zu verweilen, kleine Lädeli, keine brachliegenden Flächen oder vernachlässigten Gebäude. Dübendorf wurde als besonders gut vernetzt bezeichnet. Jedoch bedeutet vernetzt zu oft, von Dübendorf wegzugehen. Das ist verständlich: die Stadt lädt zu wenig zum Verweilen ein. Viele schlafen hier, leben aber anderswo. Das sollte nicht so sein. Politik und Behörden müssen sich dafür einsetzen, der Stadt ihr Herz wieder zu geben. Geben wir der Einhorn-Statue, die im Moment auf dem Lindenplatz quasi abgestellt ist, ihren Lebensraum zurück!

 

André Csillaghy, bisher, Informatiker, 22.6.1965